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GELBES HAUS

Wer durch Oppenheims Altstadt geht, begegnet einer Geschichte, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht.

Über viele Jahrhunderte prägten jüdische Familien Handel, Handwerk und das gesellschaftliche Leben der Stadt. Zwischen Zeiten des Miteinanders und Phasen von Verfolgung entstand ein bedeutendes Kapitel Oppenheimer Geschichte. Im Mittelalter verfügte die Gemeinde über eigene religiöse Einrichtungen. Am Gelben Haus ist ein Fragment eines Bogenportals mit hebräischer Inschrift erhalten, das auf diesen Zusammenhang verweist. Stolpersteine, der jüdische Friedhof und historische Spuren im Stadtbild erinnern heute an die Menschen, deren Lebenswege eng mit Oppenheim verbunden waren – und deren Nachname „Oppenheimer“ weit über Europa hinaus bekannt wurde.

Jüdisches Leben in Oppenheim reicht weit zurück bis ins Hochmittelalter: Bereits im 12. Jahrhundert sind jüdische Familien in der Stadt nachweisbar.

Wie in vielen Reichsstädten lebten Juden und Christen in unmittelbarer Nachbarschaft, standen im wirtschaftlichen Austausch und teilten sich städtische Strukturen. Zugleich war das Leben der jüdischen Bevölkerung von rechtlichen Einschränkungen und wiederkehrenden Bedrohungen geprägt. Ein schwerer Einschnitt war der Pogrom des Jahres 1349, der die Gemeinde erheblich schwächte. Auch besondere Abgaben belasteten das Leben zusätzlich. Bereits 1286 versuchte ein Teil der jüdischen Bevölkerung, die Stadt in Richtung Heiliges Land zu verlassen – ein Vorhaben, das jedoch unterbunden wurde.

Im Mittelalter verfügte die Gemeinde über eigene religiöse Einrichtungen. Eine Synagoge befand sich vermutlich im Bereich der später so benannten Judengasse. Am Gelben Haus ist bis heute ein Fragment eines Bogenportals mit hebräischer Inschrift erhalten – ein stiller Hinweis auf eine Synagoge, die nach einem Brand der älteren Anlage im frühen 14. Jahrhundert neu errichtet wurde. Auch die Rathofkapelle wurde zeitweise von der jüdischen Gemeinde genutzt, bevor sie später in anderen Besitz überging.

Nach Zerstörung und Vertreibung bildete sich die Gemeinde in der frühen Neuzeit erneut. 1791 entstand eine neue Synagoge, 1829 durch einen größeren, klassizistischen Neubau ersetzt, der die gesellschaftliche Entwicklung des 19. Jahrhunderts widerspiegelte. Jüdische Familien waren zu dieser Zeit fest im wirtschaftlichen und sozialen Leben der Stadt verankert – im Handel, im Weinhandel, im Handwerk und im Bankwesen. Um 1900 lebten etwa 80 bis 100 jüdische Einwohner in Oppenheim.

Mit dem Nationalsozialismus endete dieses jahrhundertealte Leben. Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge verwüstet und später abgetragen. Jüdische Einwohner wurden verfolgt, zur Auswanderung gezwungen oder deportiert. Die Gemeinde hörte auf zu bestehen.

Heute halten mehrere Orte in Oppenheim die Erinnerung wach: Seit 2007 werden Stolpersteine verlegt, die vor ehemaligen Wohnhäusern an Namen und Lebensdaten der Verfolgten erinnern. Auch der erhaltene jüdische Friedhof besteht als bedeutender Erinnerungsort fort.

Über die Stadt hinaus bekannt wurde der Name Oppenheim zudem dadurch, dass jüdische Familien ihn als Herkunftsnamen annahmen – so verbreitete sich der Name „Oppenheimer“ in zahlreichen Regionen Europas und der ganzen Welt.

Wenn du in Oppenheim die Kirchstraße 29 entlangläufst, fällt dir sofort ein kleines Gebäude ins Auge: das Gelbe Haus.

Vor über 700 Jahren lebten viele jüdische Familien in Oppenheim. Sie hatten eine wunderschöne Synagoge.

Doch im Jahr 1349 wurde dieses Gotteshaus bei einem schlimmen Angriff völlig zerstört. Als Jahre später wieder jüdische Familien in die Stadt zogen, hatten sie keinen Ort mehr zum Beten. Forscher vermuten, dass das Gelbe Haus damals zu ihrer Notsynagoge wurde, ein sicherer Ort, an dem die Familien zum Beten zusammenkamen.

Wenn du ganz nah an die Hausecke herantrittst, kannst du dort etwas Spannendes entdecken. Die Erbauer haben dort ein echtes Fundstück eingemauert: eine viertelkreisförmige Steinplatte. Wenn du genau hinsiehst, entdeckst du darauf eingemeißelte, fremde Schriftzeichen. Das ist eine hebräische Inschrift. Dieser Stein ist der einzige Teil, der die Zerstörung der ursprünglichen Synagoge überlebt hat! Die Menschen haben das Puzzleteil hier eingebaut, damit dieses Ereignis niemals vergessen wird.

Das Leben jüdischer Menschen war oft schwer, weil sie eine andere Religion hatten als die Mehrheit vor Ort. Es gab Zeiten, in denen sie angegriffen oder vertrieben wurden. Besonders grausam war die Zeit des Nationalsozialismus. Jüdische Familien wurden verfolgt, viele mussten fliehen oder wurden verschleppt und getötet. Die jüdische Gemeinde in Oppenheim hörte schließlich auf zu bestehen.

In Oppenheim leben seit sehr langer Zeit jüdische Menschen.

Jüdische Menschen glauben auf eine bestimmte Art an Gott.
Schon vor mehr als 800 Jahren waren sie hier.
Sie haben als Händler und als Handwerker gearbeitet.
Sie gehörten zur Stadt dazu.
Oft haben alle Menschen gut zusammen gelebt.
Aber es gab auch schlimme Zeiten.
Dann wurden die jüdischen Menschen verfolgt.
Früher hatten sie eigene Häuser für ihren Glauben.
Diese Häuser heißen Synagogen.
Am Gelben Haus ist ein Stück von einem alten Tor-Bogen.
Darauf stehen Wörter in hebräischer Schrift.
Das ist die Schrift der jüdischen Menschen.
Heute erinnern auch Stolper-Steine an sie.
Stolper-Steine sind kleine Steine im Boden.
Auf den Steinen stehen die Namen von Menschen.
Diese Menschen sind früher verfolgt worden.
Viele von ihnen sind ermordet worden.

Anyone walking through Oppenheim‘s old town encounters a history that reaches back to the 12th century.

For many centuries, Jewish families shaped the town‘s trade, crafts and social life. Between periods of coexistence and phases of persecution, an important chapter of Oppenheim‘s history took form. In the Middle Ages, the community had its own religious institutions. On the Gelbes Haus, a fragment of an arched portal with a Hebrew inscription survives, pointing to this connection. Stolpersteine, the Jewish cemetery and traces in the historic townscape today recall the people whose lives were closely linked with Oppenheim – and whose surname, ‚Oppenheimer‘, became known far beyond Europe.

Ceux qui parcourent la vieille ville d‘Oppenheim y découvrent une histoire qui remonte au XIIe siècle.

Pendant plusieurs siècles, des familles juives ont marqué le commerce, l‘artisanat et la vie sociale de la ville. Un chapitre important de l‘histoire d‘Oppenheim s‘est écrit entre des périodes de cohabitation et des phases de persécution. Au Moyen Âge, la commune disposait de ses propres institutions religieuses. Sur la Maison Jaune, on peut encore voir un fragment de portail en arc portant une inscription hébraïque qui fait référence à ce contexte. Les Stolpersteine, le cimetière juif et les traces historiques présentes dans le paysage urbain rappellent aujourd’hui ces personnes dont le parcours était étroitement lié à Oppenheim, et dont le nom de famille, « Oppenheimer », s’est fait connaître bien au-delà des frontières de l’Europe.

Wie door de oude binnenstad van Oppenheim loopt, ontmoet een geschiedenis die teruggaat tot in de 12e eeuw.

Eeuwenlang drukten Joodse families hun stempel op handel, ambacht en het maatschappelijke leven van de stad. Tussen tijden van samenleven en perioden van vervolging ontstond een belangrijk hoofdstuk van de Oppenheimer geschiedenis. In de middeleeuwen beschikte de gemeenschap over eigen religieuze instellingen. Aan het Gelbe Haus is een fragment van een boogportaal met Hebreeuwse inscriptie bewaard gebleven dat daarnaar verwijst. Stolpersteine, de Joodse begraafplaats en historische sporen in het stadsbeeld herinneren vandaag aan mensen wier levenswegen nauw met Oppenheim verbonden waren – en wier familienaam ‚Oppenheimer‘ tot ver buiten Europa bekend werd.

GUT ZU WISSEN

Alle Rundgänge starten zentral in der Altstadt und sind bequem zu Fuß erreichbar.
Dauer: ca. 1,5 bis 2,5 Stunden pro Rundgang

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